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Jan Koller - Foto: Christina Neubauer/www.geradeaus.at

Jan Kollers Jahresausklang: 500 Kilometer nonstop

Jeder Kilometer zählt beim Festive 500. Die auf der Plattform Strava vor ein paar Jahren erstmals ausgetragene Challenge bedeutet, dass man innerhalb der Weihnachtsfeiertage, in der Woche vom 24. – 31. Dezember 500 Kilometer abspult. Eigentlich ist es egal, ob dies auf der Rolle oder draußen gemacht wird, in welchen Einzeldistanzen und zu welcher Tageszeit. Einen ganz eigenen Plan legte sich der 23-jährige Jan Koller zurück. Der ehemalige Straßenprofi absolvierte nämlich die gesamte Distanz von 500 Kilometern an einem einzigen Tag.

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"Das Feedback, dass ich bis jetzt bekommen habe, war durchwegs so, dass es eine verrückte Sache war“, schilderte der Niederösterreicher, der am 30. Dezember zu seiner Abenteuerfahrt aufbrach. Knapp 24 Stunden war er dafür unterwegs.

„Ich hatte mir im Oktober vorgenommen, einige Ultrarennen anzupeilen in den nächsten Jahren“, erklärte er, weshalb er zu jenem außergewöhnlichen Radabenteuer kam. Im Sommer absolvierte er via Strava den virtuellen Dirty Kanza. Das berühmte Gravelrennen selbst konnte aufgrund der Corona-Pandemie 2020 nicht ausgetragen werden, so wurden die Schotterstraßen weltweit zur Rennpiste für die 200 Meilen und Koller war einer der vielen Teilnehmer.

Ein paar Monate später folgte ein Bikepacking-Trip mit einem Freund nach seiner Rennsaison, die er für das Hrinkow Advarics Cycleang Team absolvierte: „Wir sind gemeinsam nach Italien gefahren, zum Giro d’Italia, wo wir unseren Freund Patrick Konrad angefeuert haben. Am Weg runter kamen wir auf die Festive 500 und dachten, eigentlich könne man das auch in einem Tag schaffen.“

Der 23-Jährige zeichnete einen GPS-Track mit der gesamten Länge seines Vorhabens auf und testete einige Abschnitte: „Im Vorfeld bin ich ein paar Strecken abgefahren, aber die gesamte Runde habe ich auf Komoot zusammengestellt“. Am 30. Dezember brach er dann um 04:00 Uhr früh auf.

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„Das Wetter war leider nicht so gut, bis Mittag hat es geregnet“, erinnerte er sich auf den schwierigen Auftakt seines Vorhabens. „Nach einer Anfangsrunde um Wiener Neustadt von knapp 90 Kilometern hat mich dann ein Freund begleitet. Das war stark von ihm, er selbst ist dann auch auf 300 Kilometer gekommen“, so Koller, der bis in die späten Morgenstunden in der Nacht fuhr: „Die ersten dreieinhalb Stunden waren noch im Finstern.“

Unsupported, als ohne jegliche Unterstützung eines Begleitautos oder fixen Labstationen, befuhr er die 500 Kilometer. „Ich hatte drei große Flaschen mit, fast die ganze Ernährung und habe nur zweimal schnell einen Supermarkt aufgesucht um noch was zu kaufen“, erzählte der junge Niederösterreicher, der nach seiner Anfangsschleife sich dann Richtung Norden orientierte: „Zum Sonnenaufgang sind wir dann nach Hainburg rauf und weiter der Grenze entlang wieder südwärts, fast alles auf Schotter.“

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Das nasskalte Wetter setzte nicht nur ihm beim Fahren zu, sondern erschwerte auch das Passieren der Schotter und Feldwege auf der Route: „Teilweise wars schon recht tief und fast unfahrbar.“ Von der Donau weg ging es dann entlang der slowakischen Grenze in den Süden. Aufgrund der aktuellen Situation absolvierte er die ganze Fahrt innerhalb des österreichischen Staatsgebietes, wenn auch es zu einer besonderen Grenzsituation kam.

„Im Dreiländereck wurden wir dann von einem ungarischen Grenzposten aufgehalten, der uns erklärte, dass wir wieder in die Slowakei zurückkehren müssen. Da er weder Deutsch noch Englisch konnte und wir weder Ungarisch oder Slowakisch mussten wir ihn mit beiden Händen erklären, dass wir eh nur in Österreich fahren und die Grenze ja nicht überschreiten wollen. Es dauerte gut zehn Minuten, dann war das geklärt“, beschrieb Koller die außergewöhnliche Situation.

Am Neusiedlerseeradweg entlang radelte das Duo dann bis Eisenstadt. „380 Kilometer hatte ich da schon in den Beinen. Das war ein ziemlicher Knackpunkt, da es nach Hause 20 Kilometer gewesen wären, aber auf 500 fehlten eben noch 120“, erinnerte sich der 23-Jährige, der sich noch einmal neu für die restlichen Kilometer motivieren musste.

Auch ein technisches Malheur brachte ihn auf seiner Extremrunde nicht aus der Ruhe. Denn für eine Schrecksekunde sorgte sein GPS-Gerät, dass kurzzeitig seinen Geist aufgab: „Plötzlich waren alle Werte weg und ich musste das Geräte resetten. Das hat zwölf Kilometer gedauert. Ich wollte am Ende der Fahrt aber 500 am Tacho stehen haben und deshalb musste ich die verlorenen Kilometer auch noch anhängen.“

Um 3:22 Uhr erreichte er dann sein Zuhause wieder und hatte sein Tagesziel von 500 Kilometern abgespult, nach fast 24 Stunden. „Es war ein cooles Gefühl, eine Herausforderung, die zu Beginn so unrealistisch schien, erfolgreich abzuschließen und durchzuziehen“, erinnerte sich der Niederösterreicher, der aber anfügte, dass er schwierige Momente auf den 500 Kilometern durchlebte: „Es gab schon richtig harte Phasen im Rennen.“

Das Projekt war für ihn der Start in eine neue Laufbahn. Denn seinen auslaufenden Profivertrag wird er nicht mehr verlängern. „Ich wollte, so lange ich eine Chance auf eine internationale Karriere hatte, mich dieser verschreiben. Nun aber verlagere ich meinen Einsatz auf individuelle Projekte“, so Koller, der sich nun Ultrarennen widmen wird. Vor allem jene neben der Straße im Gravelbereich haben es ihm angetan. So plant er 2021 eine Teilnahme an den Transiberica Badlands, einem 700 Kilometer langen Bikepacking-Rennen durch die Pyrenäen im Norden Spaniens.

INFOS:

Fotos: Christine Neubauer/www.geradeaus.at, Jan Koller
Blog: www.geradeaus.at
Strava-Profil Jan Koller
Instagram-Profil Jan Koller

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