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70. Quer-WM 2019: Spekatkuläre Rennen neben Segelschiffen an der Nordseeküste

Nach 1998 in Middelfart – der Belgier Mario de Clercq holte damals den ersten von drei Weltmeistertiteln, der 16fache dänische Meister Henrik Djernis wurde Dritter – fand am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal eine Weltmeisterschaft im Querfeldein in Dänemark statt.

Austragungsort war der malerische Hafen Bogense (sprich: Bonse) an der Nordsee. Der 2,6 Kilometer lange Kurs verlief zu zwei Drittel in der Ebene mit zahlreichen Serpentinen und einem künstlichen Hindernis. Das dritte Drittel hatte es in sich: Auf einer etwa 10 Meter hohen Böschung ging es wie auf einer Hochschaubahn auf und ab, das entscheidende Kriterium aber war eine rutschige Bergauf-Schrägfahrt, deren Bewältigung ohne abzusteigen zu einem entscheidenden Kriterium werden sollte. Dieses Spektakel konnte vom großen Innenraum des Kurses von tausenden Fans hautnah miterlebt werden.

Am Samstag bei trübem und kaltem Winterwetter begannen die Junioren den Reigen der WM-Rennen. Wie schon im Vorjahr gab sich der Brite Ben Tulett keine Blöße und krönte sich mit dem zweiten Weltmeistertitel.

Das folgende Rennen der Männer U23 ließ die Fans von der Insel wieder jubeln. In einem sehenswerten Duell kämpfte Thomas Pidcock (GBR) den zweifachen Weltmeister Eli Iserbyt aus Belgien nieder und freute sich über seinen ersten Titel.

Das Rennen der Frauen am Nachmittag war dann aus österreichischer Sicht das Hauptereignis dieser WM. Startete doch die österreichische Meisterin und U23 Bronzemedaillengewinnerin des Vorjahres, Nadja Heigl, in diesem Rennen. Ein Feld von 40 Konkurrentinnen stürmte mit Höllentempo ins Gelände, vorne die Phalanx der favoritisierten Niederländerinnen, Lucinda Brand, Marianne Vos, Denise Betsema und Annemarie Worst. Nur die Belgierin Sanne Cant konnte mit dem Quartett mithalten. Dann geschah das Unerwartete: Cant entwischte im letzten Renndrittel, die Holländerinnen jagten nicht entschlossen nach und Cant gewann zum dritten Mal in Folge den Titel, Platz zwei bis fünf, das Quartett der Niederländerinnen. Heigl war nach zwei Runden auf Platz 20, im dritten Umlauf fiel sie nach einem gröberen Ausrutscher in der Schrägpassage auf Platz 28 zurück. In einem starken Finale kämpfte sie sich zurück und beendete das Rennen auf Platz 24.

Am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein begannen die Frauen U23 den Renntag. Die holländischen Betreuer dürften mit ihren Damen gesprochen haben, denn die Sportlerinnen in Orange zeigten ein taktisch hervorragendes Rennen und belegten mit Inge van der Heijden, Fleur Nagengast und Ceylin del Carmen Alvarado die Plätze Eins bis Drei.

Am Nachmittag dann der Höhepunkt der WM: Das Match Belgien gegen Niederlande, oder besser gesagt gegen Mathieu van der Poel. Zunächst versuchte die belgische Übermacht van der Poel durch wechselseitige Angriffe mürbe zu machen. Van der Poel reagierte, fuhr die kritische Schrägfahrt traumhaft sicher hoch und notierte fünf Sekunden Vorsprung. In einem sehenswerten Zwischensprint schloss der große Rivale, der dreifache Weltmeister Wout van Aert, auf. Jetzt war das von allen erwartete Duell Wirklichkeit geworden. Aber auch die belgischen Helfer und van der Poels Stütze, Lars van der Haar, hatten wieder aufgeschlossen. Auf der Schrägfahrt setzte van der Poel die entscheidende Attacke. Er fuhr wieder traumhaft sicher hoch, van der Aert musste vom Rad und bei der direkt folgenden Abfahrt gelang es van der Haar die Belgier ein wenig zu bremsen. Jetzt war van der Poel nicht mehr zu stoppen, jede Runde holte er auf der Schrägfahrt entscheidende Sekunden, schließlich betrug sein Vorsprung über 20 Sekunden. Van Aert, der in der entscheidenden Passage immer wieder Schwierigkeiten hatte, wurde noch von Europameister Toon Aerts eingeholt. Als Aerts auf der letzten Abfahrt etwa 20 Meter vor van Aert stürzte, musste er sich mit Platz Drei hinter van Aert begnügen. Nur der Deutsche Marcel Meisen als Achter konnte sich in den Länderkampf Belgien-Niederlande einmengen. Mit Mathieu van der Poel als Weltmeister hatte eine freundliche WM eine würdigen Sieger. Der Niederländer war die dominierende Persönlichkeit der abgelaufenen Cross-Saison.

 

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